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KAPITEL II


DIE WIRKLICHKEIT
und das
 ERLEBEN DER WIRKLICHKEIT

 

Wir sind von einer Wirklichkeit umgeben und gleichermaßen auch Bestandteil der (Gesamt)wirklichkeit. Diese Wirklichkeit ist also objektiv, da es die Welt auch gäbe wenn wir (als Individuum) nicht existieren würden. Die Welt war da ehe wir geboren wurden und sie wird fortbestehen wenn wir dereinst tot sein werden. Jegliche Erfahrung  und jegliches Wissen über die Wirklichkeit erlange ich aus meiner subjektiven ICH-Perspektive heraus, über diverse Sinnes- und Wahrnehmungskanäle, über die mein Bewusstsein, meine Psyche verfügt.

In der Gesamt-Realität gibt es einfach ausgedrückt Inhalte und Prozesse. Naturgesetzliche Rahmenbedingungen definieren die prinzipiellen Möglichkeiten was die Arten von Inhalten (Energie, Materie und ggf. Information), deren Zustände (am Beispiel der Materie sind dies die Aggregatzustände, also fest, flüssig und gasförmig) und die Art und Stärke von Prozessen betrifft.

Das Erleben der Wirklichkeit ist also immer subjektiv, auch wenn sie objektive Informationen über die Realität enthalten kann bzw. teilweise auch ganz bestimmt enthält.

Die Trennung zwischen subjektiver und objektiver Wirklichkeit ist äußerst schwierig und letztlich niemals vollständig zu erreichen! Bereits bei einfachsten Wahrnehmungsfunktionen treten gewisse Filter in Erscheinung, die für unser Nervensystem typisch sind! Die Rede ist hier von biologischen Filtern die bspw. dafür verantwortlich sind, das wir bestimmte Farben (etwa ultraviolett) und Töne bestimmter Frequenzbereiche nicht wahrnehmen können. Aber selbst wenn wir alle denkbaren Farben sehen könnten, entspräche unsere Farbwahrnehmung noch keiner objektiven Wahrnehmung! Farben existieren nämlich prinzipiell nur innerhalb von Nervensystemen, die sie repräsentieren. "Farbigsehen" bedeutet, elektromagnetische Wellen in ihrer Intensität zu unterscheiden. Das Resultat ist ein Ergebnis der Nerventätigkeit, ein Konstrukt des Gehirns.

Neben den biologischen Filtern gibt es die psychologischen Filter, die bspw. in Form einer unbewussten Erwartungshaltung unsere Wahrnehmung beeinflussen und eine Information verfälschen können, ehe wir überhaupt erst damit beginnen, uns auf bewusster Ebene mit ihr auseinanderzusetzen!

Ferner können Wahrnehmungsprozesse verschiedene qualitative Zustände aufweisen. Äussere Rahmenbedingungen des Erlebens (Licht, Temperatur, Kontrast, Fülle an Objekten im Wahrnehmungsfeld, etc.), innere Zustände (Müdigkeit, Emotionen, Motive etc.) spielen hier mit hinein. Die Qualität der Wahrnehmung ist auch vom Grad der Bewusstheit abhängig: Man kann auf unbewusste, vorbewusste und bewusste Art Dinge wahrnehmen! Von unbewussten Wahrnehmungen wissen wir gar nicht, dass sie wir sie haben! Dennoch können sie eine sehr große Wirkung auf unser augenblickliches Befinden und Verhalten ausüben! Bewusste Wahrnehmungen hingegen befinden sich im Fokus unserer Aufmerksamkeit und somit unseres Bewusstseins. Sie sind zumeist auch Gegenstand unserer Gedanken, also unserer inneren Dialoge, Bilder, Vorstellungen, etc.

 

Bewertende Wahrnehmungsformen: Proto-, para- und syntaktische Wahrnehmung.

Erstgenannter Form  ist eine unbewusste, und sich auf Empfindungsebene vollziehende Variante der Wahrnehmung. Ein Neugeborener kann infolge prototaxischer Wahrnehmung triviale Kategorien bilden (die nasse Windel ist "schlecht", die mütterliche Brust "gut"). Primitive, einzellige Lebensformen  können z.B. anhand von Temperatur und Salzkonzentration in der sie umgebenden Flüssigkeit zwischen einer lebensfreundlichen und gefährlichen Umgebung differenzieren und ihre räumliche Position daraufhin verändern. Auch das Bestreben von Pflanzen sich nach Licht und Wärme auszurichten, kann als Ergebnis dieser rein zuständlichen Wahrnehmung angesehen werden.

Bei der parataxischen Form der Wahrnehmung walten rein zufällige Assoziationen. Irgendwelche Ereignisse werden miteinander in Verbindung gebracht, zumeist infolge ihres gemeinsamen Erscheinens. Beispiel: Ein Baby wirft einen Ball an die Wand. Im selben Moment betritt eine Person den Raum durch die Tür. Das Baby entwickelt die spontane Vorstellung, diese Ereignisse würden miteinander kausal in Beziehung stehen! Bei seinem nächsten Ballwurf hegt es zunächst die Erwartung, dies müsse erneut (und vor allem gesetzmäßig) dazu führen, dass jemand durch die Tür kommt.

Die syntaktische Form der Wahrnehmung vollzieht sich innerhalb von mentalen Vorgängen, die wir als Kognition bezeichnen. Bei dieser Form der Wahrnehmung werden kausale Zusammenhänge auf Grundlage logischer Überlegungen ermittelt.

In der uns umgebenden Wirklichkeit können wir verschiedene Inhalte und Vorgänge  wahrnehmen.

Nachfolgend unternehme ich den Versuch, einige sinnvolle "Grundtypen" von Wahrnehmungs- bzw. Informationsinhalten zu definieren. Es soll sich dabei um "naturgegebene", analoge Inhalte handeln, die im Gegensatz zu komplexen gedanklichen Vorstellungen und Konzepten (Abstraktionen) direkt über die natürlichen Sinneskanäle (primär den visuellen Kanal) wahrgenommen werden können!  Die Zahl 5, oder der Buchstabe M bspw. gehören nicht dazu! Sie sind zwar logische Informationseinheiten. In der Natur treten sie aber nicht in Erscheinung und falls doch, so könnte nur ein Mensch damit etwas anfangen, weil er über die (abstrakte) Bedeutung von Zahlen und Buchstaben bescheid weiß.

"Analoge" Grundtypen von Wahrnehmungsinhalten:

Objekte/Gegenstände: = physikalische Körper;
sie definieren sich durch Form und Ausmaße.
Organismen: = Lebewesen (tierisch,pflanzlich,bakteriell -letztere sind natürlich nicht direkt wahrnehmbar);
Im Gegensatz zu unbelebten Objekten haben sie nicht nur ein rein physikalisches, sondern auch ein bedürfnisgesteuertes (autonomes) Verhalten.
Personen:  = Lebewesen mit Bewusstsein*, im engeren Sinn  aber nur Menschen
Ihr Verhalten ist aufgrund ihres individuellen Bewusstseins noch autonomer und weitaus komplexer
Situationen: = Konstellationen bezüglich Vorhandensein, Anordnung und Interaktion von Objekten, Organismen, Personen und  Ereignissen.
Ereignisse: = 1: Veränderungen innerhalb einer bestehenden Situation.
   2: Wechsel an Situationen (zeitliche Abfolge).
Strukturen:  = Anordnungen/Hierarchien im physikalischen, chronologischen oder sonstigen Sinne.

*)= Der Begriff des Bewusstseins bezieht sich hier auf das sog. "Sekundär"-   oder  "Metabewusstsein" - also das Bewusstsein darüber, über ein eigenes Bewusstsein zu verfügen. Ansonsten müsste man auch einige hoch entwickelten Säugetiere als Personen einstufen!

Die Definition solcher "natürlichen" (also nicht abstrakten oder kognitiv erzeugten) Grund-Informationsinhalte ist nicht ultimativ möglich:

Bei Situationen und Ereignissen ist es mitunter unmöglich zwischen "originalen" Realitätsinhalten und solchen zu unterscheiden, die infolge von Wahrnehmungsprozessen irgendwelche Erweiterungen, Veränderungen und Ergänzungen erfahren haben und somit erst durch diese Folgeschritte in der Informationsverarbeitung zu genau der Situation/dem Ereignis wurden, als das wir sie in einem bestimmten Augenblick wahrnehmen. Hierzu ein Beispiel: Ich befinde mich im Getümmel einer Fußgängerzone. Ich erkenne u.a. eine Mutter die mit ihrer kleinen Tochter gerade ein Kaufhaus verlässt sowie ein junges Liebespaar das sich vor dem Eingang eines Schnell-Restaurants unterhält (zwei in die Gesamtsituation integrierte Einzel-Situationen). Die vermeintliche "Mutter" und deren "Tochter" haben mglw. überhaupt nichts miteinander zu tun! Ihre (zufällige) räumliche Nähe zueinander und die gemeinsame Bewegungsrichtung weckten in diesem Fall die vorbewusste Assoziation einer "Mutter-Kind-Verbindung". Das Liebespaar muss auch nicht zwingend wirklich ein Liebespaar sein. Vielleicht hat die männliche Person die junge Frau lediglich nach dem Weg gefragt? Hätte ich die Personen nur Sekundenbruchteile länger oder bewusster beobachtet, hätte ich vielleicht keine oder andere Zusammenhänge zwischen denselben vermutet!

Die Zahl "5" oder der Buchstabe "M" können natürlich sehr wohl auch ein natürliches, nicht-abstraktes Informationselement darstellen! Eine 5 oder ein M (aus Stein, aus Kunststoff oder als geschriebenes Symbol) kann auch von einem Tier zumindest als ein physikalisches Objekt oder eine formhafte Struktur ohne abstrakten Informationsgehalt wahrgenommen werden.

Auch die Unterscheidung zwischen einer Situation und einem Ereignis (so sinnvoll und angemessen sie an sich ist) ist nicht rigoros möglich.

 Eine Situation ist "relativ" statisch, ein Ereignis hingegen entspricht einer "fließenden" Situation in welcher die Menge der dynamischen, veränderlichen Komponenten jene der statischen Inhalte überragt. Diese Differenzierung erscheint ev. etwas künstlich oder nur bedingt anwendbar, da es weder eine rigoros statische Situation, noch ein absolut dynamisches Ereignis gibt! Ob ich etwas als Situation oder Ereignis wahrnehme bzw. ob etwas "objektiv" eher der einen oder anderen Sache entspricht, hängt natürlich von vielen Dingen ab. Hierzu zählen etwa die Größe des Wahrnehmungsfeldes, die Präsenz und Einflüsse von bzw. zwischen Parallel-Ereignissen, etc. Letztendlich ist jedes Ereignis der Bestandteil einer im Größenverhältnis (und/ oder im Zeitstrom) übergeordneten Situation und umgekehrt!

 

EIGENSCHAFTEN UND ZUSTÄNDE

Wodurch definieren sich Realitätsinhalte? Durch ihre Eigenschaften! Hierbei gibt es zwei grundsätzliche Kategorien von Eigenschaften, nämlich Eigenschaften im engeren Sinn und Zustände von Objekten.

Eine direkte Eigenschaft betrifft das konkrete Objekt und hat nichts mit dessen Umgebung zu tun. Dies könnte bspw. seine räumliche Gestalt sein.

Einen Zustand hingegen kann ein Objekt nur innerhalb eines Bezugs- und/oder Bewertungssystems haben!

Mit dem Begriff des Bewertungssystems ist an dieser Stelle der Bogen eigentlich schon zu weit gespannt: von der Ebene der physikalischen Realität hin zur mental verfügbaren Information bezüglich der "Bedeutung" eines Objektes der Realität! Da Bewertungssysteme aber zumindest teilweise der analogen Kategorisierung strikt physikalischer Bedeutungszusammenhänge entsprechen, soll der Begriff hier einfach mal stehen bleiben!

Eigenschaften sind also eher etwas "selbstbezügliches" die sich aus der Natur des Objektes ergeben. Zustände hingegen sind relative Eigenschaften des Objektes, die sich erst aus seinem Kontext oder seinen Beziehungen zu anderen Objekten oder seiner Umwelt ergeben.

Bleiben wir noch auf einen Satz bei den direkten Eigenschaften: Sie können sich wie "Bauteile" verhalten, die auch als Einzelkomponente ein eigenständiges Objekt darstellen würden. Wenn ich von einem Auto einen Reifen entferne, habe ich zwei Objekte die für sich genommen immer noch eine konkrete Bedeutung haben. Manche Objekte existieren auch nur infolge ihrer (räumlichen) Anordnung zu anderweitigen Objekten. Eine Küste z.B. existiert infolge der räumlichen Anordnung von Wasser und Land. Letztendlich gibt es ohnehin nichts vollendet selbstbezügliches auf der Welt (insofern man die etwaige Existenz Gottes ausklammert). Man kann wohl kein Objekt finden, dass keinerlei Umweltbedingungen (etwa Temperatur- und Druckverhältnissen) ausgesetzt ist. Spätestens wenn man theoretisch mögliche Bedingungen mit einbezieht, offenbart sich die relative Natur selbst der statischen Eigenschaften: Eine Stahlkugel, die in ein schwarzes Loch gerät, wird sich strukturell enorm verändern, bis hin zur Vernichtung. Solch eine Überlegung mag weit her geholt?! Auf Milliarden Jahre gesehen wird derartiges aber tatsächlich mit dem größten oder gar vollständigen Masseanteil unseres Sonnensystema geschehen!

Der Zustand eines Objektes (also eines "Realitätsinhaltes" im weitestem Sinn) ist immer an ein Bezugssystem gebunden. Als MENSCH gehöre ich u.a. einem biologischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bezugssystem an. Verheiratet oder ledig zu sein bedeutet bspw. einen bestimmten Zustand innerhalb des sozialen oder gesellschaftlichen Bezugssystems aufzuweisen. Mitunter können natürlich meine direkten Eigenschaften für meinen Zustand innerhalb eines oder mehrer Bezugsysteme mitentscheidend sein! Wenn mir z.B. einer von meinen beiden Armen fehlt, wird sich infolge dieser veränderten Eigenschaft auch mein Zustand im wirtschaftlichen Bezugssystem (in gewisser Hinsicht auch innerhalb des sozialen) verändern! In der (neuronalen) Informationsverarbeitung entspricht ein Bezugssystem einem Bewertungssystem. Ich kann bspw. über einen Mitmenschen salopp sagen: "Der ist schlecht beisammen!" Damit könnten verschiedenste Dinge gemeint sein: Die betreffende Person kann - je nachdem auf was für ein Bewertungssystem sich die Aussage bezieht - finanziell pleite, gesundheitlich angeschlagen, sturzbetrunken, in schlechtem körperlichen oder schlechtem hygienischen Zustand sein!

Häufig stimmen die realen Bezugsebenen, innerhalb derer  Objekte miteinander in Verbindung stehen und interagieren können, mit jenen (mentalen) Ordnungssystemen überein, innerhalb derer wir kognitiv unser Weltwissen organisieren. Ein Gehirn erstellt ein Abbild, eine Repräsentation der Wirklichkeit und alle Gehirne funktionieren ähnlich.

Egal ob ich ein Politiker, Serienmörder, Landstreicher, Profisportler oder sonst was bin - wie diffizil und individuell mein subjektiver Erfahrungsschatz und meine Persönlichkeitsstruktur auch beschaffen sein mögen - eine ganze Menge an wesentlichen Grund- Erfahrungen teile ich mit jedem anderen lebenden Menschen!

Dies betrifft z.B. die grundsätzlichen Sinnes-und Körpererfahrungen die ich als Säugling, Kind, reifender und alternder Mensch in bestimmter Reihenfolge durchlebe, meine angeborene Neigung die Muttersprache zu erwerben, die sukzessive Ausprägung von Gedächtnis, Identitätsgefühl, kognitivem Abstraktionsvermögen, etc.

Ebenso ist der Erwerb von Wissen über einige Kausalbeziehungen in der Welt nahezu ungeachtet vom Faktor Intelligenz zu einem gewissen Grad zwingend gewährleistet! Dies geschieht durch Verallgemeinerung von Einzelbeobachtungen und einer intuitiven Form von Bedeutungszuordnung. Auch wenn ich noch nie das Wort Gravitation oder Erdanziehung gehört habe, wird mir der Sachverhalt vertraut sein, dass Wasser bergab fließt und fallengelassene Gegenstände zu Boden stürzen. Ich würde auch nicht infrage stellen, ob sich eine fallengelassene Tomate diesbezüglich anders verhalten könnte wie ein fallengelassener Apfel!

 

KOMPLEXITÄT

 Interaktionsmuster zwischen Objekten oder ganzen Systemen können anhand ihrer Komplexität unterschieden werden.

Am unteren Ende der Skala haben wir lineare Zusammenhänge mit wenigen Komponenten. Hierzu ein simples theoretisches Beispiel: Eine Kugel die auf einer schiefen Ebene hinabrollt, wird eine umso höhere Geschwindigkeit erreichen, a) je steiler der Winkel der schiefen Ebene ist, b) je größer die Länge der schiefen Ebene ist, c) je mehr Eigengewicht und d) weniger Rollwiderstand die Kugel aufweist. Eine Veränderung an einer Variable wird unweigerlich zu einem bestimmten und vorhersehbaren Ergebnis führen.

Auf höchster Stufe sind nichtlineare und rückkoppelnde Systeme zu finden. Beispiele sind u.a. das globale Wettergeschehen, biologische Systeme (etwa der Körper eines Säugetieres oder eines Menschen), ökologische Systeme (etwa der Urwald oder ein Ozean) und insbesondere natürlich das menschliche Gehirn. In solch komplexen Systemen gibt es unzählige Inhalte, Zustände und Prozesse, Ursachen, Wirkungen, Ereignisse etc. Die Zusammenhänge sind zum großen Teil nicht-linear, weil hier mannigfach unterschiedlichste Wechselwirkungen bestehen und die Dinge oftmals nur indirekt über bedingte und sehr langkettige kausale Reaktionsschritte miteinander zu tun haben.

Um das Zusammenspiel zwischen Erscheinen, Verhalten und Erlöschen von Phänomenen innerhalb nichtlinearer Systeme zu beschreiben bedarf es folgender Begriffe:

 

ZUSTAND, BEZIEHUNG und BEDINGUNG

Objekte weisen einen oder mehrere Zustände innerhalb eines oder mehrerer Bezugssysteme auf. Durch die Präsenz eines Objektes in einem Bezugssystem hat dasselbe zwangsläufig auch eine Beziehung zu anderweitigen Objekten im betreffenden System bzw. ganz prinzipiell zum System. Um eine Interaktion auszulösen bedarf es aber zumeist nicht allein eines Zustandes und einer Beziehung zwischen prinzipiell interaktionsfähigen Objekten, sondern zusätzlich einer (konkreten) Bedingung oder Ursache für das Inkrafttreten des Interaktionsereignisses. Dies kann u.a. die räumliche Nähe sein.

Katzen fressen Mäuse. Dieser Satz bezeichnet eine überaus lineare Objektbeziehung (Jäger-Beute). Es wäre aber falsch zu behaupten, auf der Erde gäbe es keine Mäuse, weil es hier auch Katzen gibt die wiederum Mäuse fressen!

 Damit die Katze die Maus frisst müssen neben der prinzipiellen Jäger-Beute-Beziehung konkrete BEDINGUNGEN erfüllt sein: Die Maus muss sich im Wahrnehmungsbereich der Katze befinden (Seh-Hör-Riechweite). Aber auch der aktuelle Sättigungszustand der Katze wird mitentscheiden, ob es zur Jäger-Beute-Interaktion kommen wird.

 

Das gesamte Weltgeschehen entspricht einem dynamischen Feld aus Wahrscheinlichkeiten. Objekte mit jeweiligen Eigenschaften und Zuständen existieren in diesem Feld. Sie stehen innerhalb verschiedener Bezugsebenen indirekt oder direkt miteinender in Beziehung und interagieren aufgrund verschiedenster Ursachen unter verschiedensten Bedingungen auf verschiedenste Art. Selbstbezüglichkeit und Abhängigkeit, Ursache und Wirkung sowie jegliche zeitliche und inhaltliche "Vollständigkeit" oder "Abgeschlossenheit" von Ereignissen und Situationen sind weitaus relativer als wir sie wahrnehmen.