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KAPITEL IV

 

ARTEN UND ZUSTÄNDE VON INFORMATIONEN

 

DER KLASSISCHE INFORMATIONS - BEGRIFF

Der Begriff der Information ist der universellste Begriff den man in Bezug auf Inhalte und Vorgänge des persönlichen Erlebens anwenden kann. Die einfachste Entsprechungen für den Begriff Information wiederum lauten "Abbildung" bzw. "Repräsentation". Außerhalb des Hirns befinden sich keine Informationen, sondern die Wirklichkeit! Wenn ich einen Baum sehe, habe ich eine visuelle Repräsentation im Kopf, die sich auf das wirkliche Objekt bezieht. Äußere Objekte (der Wirklichkeit) werden in Abhängigkeit von ihren Eigenschaften infolge gewisser regelhafter Prozesse (innerhalb der Sinneskanäle und des Hirns) in Informationen umgewandelt.

Im klassischem Sinne ist eine Information etwas, das von einem Beobachter wahrgenommen wird. Ein reales "Ding" existiert, eine Information hingegen wird (zudem) wahrgenommen. Eine Information muss keine Entsprechung in der Wirklichkeit haben (ich kann mir z.B.  einen fliegenden Elefanten oder ein UFO gedanklich vorstellen). Dennoch ist auch die Existenz einer Information (eines Wahrnehmungsinhaltes im weitesten Sinne) an Voraussetzungen gebunden, die innerhalb des Nervensystems erfüllt sein müssen, innerhalb dem die betreffende Information repräsentiert wird.

 

DER ERWEITERTE INFORMATIONS - BEGRIFF

Im Allgemeinen versteht man unter einer Information etwas, dass ein Beobachter wahrnimmt. Der PC der vor mir auf dem Tisch steht, der Arbeitskollege der mir gegenübersitzt, das Wissen das in einer Stunde ein Bekannter anrufen will,... Dies alles entspricht einer Information im allgemeinen Sinne. Man differenziert also zwischen einem Subjekt, Informationen die das Subjekt wahrnimmt und kognitiven Prozessen, mittels derer das Subjekt Informationen verarbeitet.

Im erweiterten Sinn beinhaltet der Informationsbegriff aber sowohl die Zustände des Subjektes (Aufmerksamkeit, Interesse, Müdigkeit,..) als auch die Zustände des neuronalen Systems, innerhalb dem sowohl die Psyche des Subjekts (seine Selbst-Vorstellung) als auch dessen Wahrnehmungsinhalte und (Re)aktionen auf Wahrnehmungsinhalte generiert und repräsentiert werden. Ein Beispiel: Ein Tropfen Alkohol befindet sich in der Blutbahn. Er ist Teil der physikalischen Realität. Nun überwindet er die Blut-Hirn-Schranke und dringt in Nervenzellen ein. Er wird nun zu einer "Information" weil er den Zustand einzelner Neurone verändert, die darauf hin anders mit den Netzwerken interagieren, in die sie integriert sind  (ihre synaptische Verbindungsstärke könnte sich bspw. vorübergehend ändern).

Es geht beim erweiterten Informationsbegriff also nicht (nur) um den direkten Zustand des Beobachters, sondern um den indirekten Zustand des Beobachters infolge eines Gesamt-System-Zustandes (des Gehirns)!

Dabei geht es nicht um eine Unterscheidung zwischen bewussten und unbewussten Informationen, sondern darum, welche Informationen im (ggf. unbewussten) Erlebens- und (bewussten) Wahrnehmungsbereich des Beobachters liegen und solchen, die sich generell innerhalb des Gesamtsystems, also im Hirn befinden und innerhalb eines bestimmten Augenblicks, dessen Funktionsabläufe determinieren.

Würde man eine einzelne Erlebens-Sequenz selektiv aus dem Strom des Bewusstseins herauspicken und analysieren, könnte man die  "klassischen Informationen" als ein in die "erweiterten Informationen" eingebettetes Feld erkennen, dessen Inhalte und Prozesse sich teilweise mit zeitlicher Verzögerung aus Vorgängen im "erweiterten Informationsfeld" ergeben.

Ich möchte hier auf zwei Dinge gesondert hinweisen:
Erstens:
Der Begriff der Intention ist nicht mit jenem des Motivs bzw. einer Handlungsabsicht zu verwechseln!  Motive und Absichten sind allenfalls die Folge einer besonderen Intentionalität. Wenn ich eine Bank überfallen will habe ich ein Motiv. Geizig oder geldgierig zu sein hingegen entspricht einer prinzipiellen Intention, einer Werte-Kategorie anhand derer ich manche Dinge intensiver wahrnehme und erlebe als andere. Umgekehrt aber beeinflussen einmal erzeugte Motive auch meine Intentionen.

 Zweitens:
Das Existenz- und Identitätsempfinden dürfen nicht mit dem (kognitiven) Selbst-Konzept, der bewussten Vorstellung über die eigene Person verwechselt werden. Dieses bewusste Selbst-Konzept kann am Rande bemerkt auch ziemlich falsch sein! Immerhin erachten 90 Prozent aller Autofahrer ihr eigenes Fahrverhalten für sehr sicher und vorbildlich - eine Quote die angesichts der tatsächlichen Situation auf unseren Straßen schwerlich stimmen kann! 

Die Grundlage des Existenz- und Identitätsbewusstseins wird - darauf werde ich an anderer Stelle noch deutlicher eingehen - aus der Überlagerung bzw. dem Wechsel zwischen funktionalen Grundzuständen, die man im entferntem Sinn als "Systemperspektiven" betrachten könnte, gebildet. Auf deren Funktionalität kann kein bewusster Zugriff ausgeübt werden.

 

 

ARTEN VON INFORMATIONEN

 

A) UNBEWUSSTE, VORBEWUSSTE, und BEWUSSTE INFORMATIONEN

Diese Differenzierungsmöglichkeit überlappt sich teilweise mit der erstgenannten. Informationen die sich innerhalb des Systems (des Hirns), jedoch außerhalb der Wahrnehmung (des Subjekts) befinden, sind natürlich unbewusste Informationen. "Systeminformationen" liegen mitunter aber auch komplett außerhalb des Bewusstseins (also auch außerhalb des Unterbewusstseins).

Die Präsenz unbewusster Informationen kann ich nicht  erkennen. Dennoch wird mein Verhalten von ihnen beeinflusst. Vorbewusste Informationen kann ich vage und schemenhaft erahnen. Bewusste Informationen schließlich sind jene, die ich klar wahrnehme und mit denen ich kognitiv operiere.

 

B) IDENTIFIKATION, INTENTION, INVOLATION und REPRÄSENTATION

Identifizierte Informationen sind all jene, die ich in mein aktuelles Selbst-Bild, mitunter sogar in mein Körperschema integriere. Dazu gehört insbesondere natürlich mein Körper mit all seinen Organen und Gliedmaßen (die ich direkt sehen kann oder über deren Existenz ich indirekt bescheid weiß). Diese Identifikation ist nicht so selbstverständlich und störungsfrei wie man glaubt! Man kann mit einem vergleichsweise simplen Trick einen "normalen Menschen" dazu bringen, eine vor ihm auf dem Tisch liegende Gummi-Hand als die eigene zu empfinden und bspw. Berührungen der falschen Extremität "wahrzunehmen". Auf der anderen Seite gibt es körperlich und im Grunde auch geistig (in Bezug auf ihre Intelligenz, etc.) "kerngesunde" Leute, die sich auf Biegen und Brechen ein gesundes Bein oder einen gesunden Arm amputieren lassen wollen, weil sie ihn nicht in ihr Selbstbild integrieren können! Man spricht hier von sog. "BIID-Patienten" (=Body Integrity Identity Disorder). Das Körperschema dieser Leute ist verändert. Sie empfinden ein Körperteil als fremdartig, störend, ihrer eigenen Person nicht zugehörig und greifen mitunter zu radikalen Mitteln, um die ersehnte Amputation herbeizuführen!

INTENTIONIERTE INFORMATIONEN sind solche, die irgendetwas mit meinen persönlichen Prioritäten, Wertevorstellungen oder Motiven zu tun haben. Dazu gehören u.a. alle Objekte die ich meinem persönlichen Besitz zuschreibe, etwa mein Haus, mein Auto, mein PC, mein Schreibtisch, etc. Intentioniert bin ich einer Information gegenüber i.d.R. durch inneren Antrieb, ob dieser nun bewusst oder unbewusst, vorsätzlich oder unwillentlich/-wissentlich ist!

Die Ursache für INVOLATION ergibt sich hingegen von extern! Irgendjemand oder irgendwas konfrontiert mich mit einer Information, die im engeren Sinne nichts mit mir zu tun hat oder haben müsste, nun aber für meine persönlichen Belange relevant ist! Ein Vorgesetzter, der mir eine Arbeitsanweisung erteilt, eine Schlägerei in meiner unmittelbaren räumlichen Nähe, durch die ich jederzeit verletzt oder sonstig mit einbezogen werden könnte (wenn ich es versäume, den betreffenden Ort zügig zu verlassen,.....).

REPRÄSENTIERTE SITUATIONEN sind solche, die ich selber auf bewusster Ebene der "Außenwelt" zurechnen und zudem für mich persönlich nicht als unmittelbar relevant bezeichnen würde. Dazu gehören bspw. alle Autos die mir nicht selber gehören. Wenn ich natürlich einen Auto-Faible habe, dann kann bspw. der Anblick eines Ferraris einer intentionalen Information entsprechen, da ich einen geistigen, sprich emotionalen Bezug zu der Sache habe (wie ihn etwa auch ein Fußball-Fan zu einer bestimmten Mannschaft haben kann, obwohl er vermutlich nie die Spieler persönlich kennen lernen oder  Gespräche mit ihnen führen wird).

 

C) KONKRETE, GECHUNKTE und ATMOSPHÄRE INFORMATIONEN

Eine KONKRETE INFORMATION besteht aus einer einzigen analogen Einheit. Die Zahl 5 bspw. steht für etwas Bestimmtes. Ihre Bedeutung ist mathematischer Natur und steht für eine unverwechselbare, eindeutige Größe die auch in einem konkreten Bezug zu allen anderen denkbaren Zahlen (Größen) steht.

Ein CHUNK ist eine Art Paket, eine gebündelte Information. Als CHUNK`s bezeichnet man im übrigen auch die Speicherplätze des menschlichen Kurzzeitgedächtnisses. Man kann sie am ehesten mit Schubladen vergleichen. Jeder Mensch hat ca. 7 (maximal 9) solcher Schubladen in seinem Kurzzeitgedächtnis. Diese Inhalte müssen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens ins Langzeitgedächtnis übernommen werden, oder sie sind verloren. Das interessante dabei: Es ist egal, ob es sich um sieben Zeichen, sieben Buchstaben, sieben Worte oder sieben Sätze handelt! Unabhängig vom Umfang der Information können sieben Elemente in den Schubladen abgelegt werden. Es kommt darauf an, ob ein Sachverhalt zu einem Element zusammengefasst werden kann.

Nachfolgend ein beeindruckendes Beispiel:

Ein Analphabet benötigt zehn Speicherplätze, um sich das Wort "WIND" einzuprägen. Er zergliedert es in eine Abfolge von diagonalen und horizontalen Linien. Wer die Buchstaben kennt, benötigt nur vier Speicherplätze und wer der deutschen Sprache mächtig ist, benötigt nur einen einzigen, da die vier Buchstaben W, I, N und D in dieser Anordnung das deutsche Wort "Wind" ergeben. 


Abb. 1: Chunk

Dieselbe Information beleg, je nach gegebenen Vorbedingungen, zehn, vier oder nur einen einzigen Chunk/s.

 

 

Eine ATMOSPHÄRISCHE INFORMATION ist die Erweiterung eines CHUNKS. Eine gechunkte Information enthält semantische bzw. logische Implikationen, die ihrerseits durch Begriffe oder analoge Bilder ausgedrückt werden könn(t)en. Irgendwelche Informationen sind hier also anhand eines oder mehrerer logischer Referenzen "gebündelt". Eine atmosphärische Information hingegen verknüpft auch Inhalte jenseits semantischen Wissens oder logischer Kausalität! Die Begriffe "Spiritualität" oder "Ekstase" bspw. stehen für Inhalte, die sich über verschiedene Empfindungs- und Wahrnehmungsebenen hinweg ausdehnen und auch an verschiedene kognitive Vorstellungskonzepte anknüpfen. Wollte ich einem Roboter erklären was "Ekstase" ist, hätte ich eine schwierige Aufgabe. Autobiographische Erinnerungen sind sehr häufig atmosphärische Informationen, da sie bei Abruf gleichsam auch Empfindungen, Emotionen und subtile Wahrnehmungsinhalte mit ins Bewusstsein oder allgemein in die Erlebens-Perspektive (die anteilsmäßig natürlich auch un- und vorbewusst ist) mit einfließen lassen.

 

D) HINTERGRUNDINFORMATIONEN / VORDERGRUNDINFORMATIONEN

Hintergrundinformationen werden un- oder vorbewusst wahrgenommen. Bei bewusster Wahrnehmung kommt ihnen keine höhere Aufmerksamkeit zu. Sie befinden sich außerhalb der fokussierten Wahrnehmung. Vordergründige Informationen hingegen werden bewusst erlebt, kognitiv bewertet und verarbeitet und befinden sich zumeinst in Bezug zu unseren aktuellen Intentionen und Handlungsabsichten.

 

E) STEUERINFORMATIONEN / ORIENTIERUNGSINFORMATIONEN

STEUERINFORMATIONEN sind solche, die Handlungsimpulse setzen und Verhaltenskonzepte initiieren. Orientierungsinformationen vermitteln mir einen Eindruck darüber, inwiefern ein bestimmtes Handlungskonzept noch zweckmäßig ist und im Prozess gehalten werden muss.
Im Prinzip ist kein denkbarer Wahrnehmungsinhalt aus seiner eigenen Natur heraus für eine Steuerinformation prädiszeniert! Es kommt immer auf das augenblickliche Zusammenwirken von Bewusstseinszustand und einer Stimulation an.

 

F) SONSTIGE ARTEN VON INFORMATIONEN

Man kann Informationen in Bezug auf ihre Ursache oder die Form ihrer neuronalen Repräsentation unterscheiden:

SINNESWAHRNEHMUNGEN:
 Dies sind die direktesten, unmittelbarsten Informationen (abgesehen von Körperempfindungen und Gefühlszuständen). Man hat als Mensch 5 direkte Sinneskanäle: Den visuellen Sinn, das Gehör, den Geruchssinn, den Tastsinn und den Gleichgewichtssinn. Letzterer hat vornehmlich nur mit der (räumlichen) Selbst-Repräsentation zu tun.

KOGNITIV ERUIERTE INFORMATIONEN:
Ich habe verschiedene kognitive Fähigkeiten (Assoziieren, Kategorisieren, Analogisieren, u.a.). Diese Fähigkeiten stellen eine Erweiterung meiner trivialen körperlichen Sinnes- und Wahrnehmungssysteme dar. Über diese Kanäle werden komplexere Informationen wahrgenommen und erzeugt bzw. abstrakte Zusammenhänge erfasst.

ERINNERUNGEN, IMPLIKATIONEN:
Das Gedächtnis ist ebenso Quelle für Informationen wie das ständige Erleben von neuen äußeren Situationen. Aktualbewusstsein und Gedächtnis interagieren unablässig miteinander! Ohne es zu wissen, werden unsere aktuellen Wahrnehmungen mit gespeichertem Wissen abgeglichen, verknüpft und das gespeicherte Wissen ggf. subtil umgewandelt oder verändert. Der Begriff einer IMPLIZITEN INFORMATION kann an dieser Stelle angeführt werden. Darunter versteht man eine Information, die durch unbewusste Verknüpfung entstanden ist (man spricht auch von "PRIMING"). Wenn ich höre dass ein "Werk" von "van Gogh" im Museum gestohlen wurde, dann weiß ich sofort (implizit) dass es sich um ein Bild handeln muss, insofern mir bekannt ist, dass van Gogh ein Maler war.

 

ABSTRAKTE INFORMATIONEN
Zahlen und Symbole sind zunächst ein "natürlicher" Wahrnehmungsinhalt (ein Hund oder eine Katze kann bspw. die geschriebene Zahl 5 oder ein "?" ebenso wahrnehmen wie wir), stehen aber für etwas nicht direkt Vorhandenes. Diese Zeichen und Zahlen repräsentieren einen Wert, eine Größe oder eine Beziehung, über dich ich nur über ein Abstraktionsvermögen bescheid wissen kann.

 

EMOTIONEN und MOTIVE

Emotionen sind Gefühlszustände. Es gibt 6 verschiedene Grundemotionen die direkt und unmittelbar durch Sinneseindrücke ausgelöst werden können. Dies sind Angst, Trauer, Wut, Ekel, Freude und Überraschung.

 Darüber hinaus gibt es eine Reihe an sekundären Emotionen  die nicht unmittelbar ausgelöst werden, sondern indirekt durch Kognition und Vorstellung erzeugt werden. Diese umfassen Scham, Schuld, Stolz, Neid, Mitgefühl, Verlegenheit, Eifersucht, Dankbarkeit, Bewunderung, Entrüstung und Verachtung. Eine Emotion kann ein "lokaler Faktor", also der nicht-semantische Bestandteil eines durchaus begrenzten Wahrnehmungsinhaltes sein (jemand fürchtet sich vielleicht vor einer augenblicklich wahrgenommenen Spinne). Emotionen können aber auch als "globale Systemzustände" fungieren. Jemand kann sich ganz grundsätzlich stark fürchten und sämtliche Inhalte und Prozesse des Erlebens werden mit einem Kontrast-Schleier der Angst durchwoben.

MOTIVE sind die Folge von Emotionen. Aus Emotionen und kognitiven Bewertungen (einer Situation) entstehen zunächst Motive und in deren Folge Handlungsabsichten.

 

WESEN VON INFORMATIONEN

Eine Information ist eine REPRÄSENTATION oder Abbildung innerhalb eines Nervensystems. Diese Repräsentation kann sich auf ein reales Objekt beziehen, muss es aber nicht (etwa im Fall eines vorgestellten Sauriers).

Ein reales Objekt definiert sich durch seine Eigenschaften. Es gibt direkte Eigenschaften (etwa die Äste die ein Baum hat) und Zustände innerhalb von Bezugssystemen (ein Baum kann u.a. "schön" sein). Ferner haben Objekte direkte und indirekte Wirkungen auf ihre Umwelt oder andere Objekten. Ein Baum wirft z.B. einen Schatten wenn ihn die Sonne bescheint (Bedingung und Beziehung). Das hat aber weniger mit ihm selber zu tun. Sein Schatten resultiert mehr aus der Wirkung des Sonnenlichts und weniger aus einer "Aktivität" die von ihm selber ausgehen würde. Allerdings ist es hier schwierig "totale" Aussagen zu formulieren. Seine räumliche Gestalt und und sein Volumen - Dinge die sich ebenfalls auf den Schatten auswirken -  beruhen wieder verstärkt aus seiner Eigennatur.

Die Existenz einer Information kann viele Ursachen und ihre Wirkung viele Formen haben. Sehen wir uns zunächst "einfache" (Objekt)Repräsentationen und die Ursachen für ihre Existenz (innerhalb der Wahrnehmung) und ihre Wirkung (auf den Beobachter) an.

 

GRÖSSENORDNUNGEN

ELEMENTE und ASPEKTE

Die für ihre Eigenschaft wesentliche Bestandteile einer Informationen könnte man als ASPEKTE bezeichnen. Eine "geschlossene" Informationseinheit (also eine statische Repräsentation - kein dynamischer Prozess) bezeichne ich nachfolgend als ein ELEMENT.

 

ARTEN VON ASPEKTEN

Ein Element summiert sich aus einer Reihe an Aspekten. Bleiben wir beim anschaulichen Beispiel eines Baumes.


A) OBJEKTBEZOGENE ASPEKTE:
Der reale Baum besteht aus diversen Bestandteilen die auch innerhalb der Sinnes-Repräsentation wiedergegeben werden: Er hat Äste, Zweige, Blätter, eine Rinde, etc.


B) WAHRNEHMUNGSBEDINGTE ASPEKTE:
Die Wahrnehmung des Baumes erzeugt eine Resonanz im Beobachter. Er kann den Baum bspw. als "schön" empfinden. Dieser Aspekt resultiert aus seiner Intentionalität (des Beobachters) und entspricht einer Position innerhalb seines Bewertungssystems. Solche Aspekte können auch in völlig unbewusster Form vorhanden sein.

 C) KONSTRUIERTE ASPEKTE:
Sie ergeben sich aus kognitiven Reaktionen des Beobachters. Er kann den Baum als eine Eiche, Fichte oder Tanne deklarieren. Dieser Sachverhalt ergibt sich nicht aus der reinen Präsenz des Baumes (bzw. dessen Repräsentation), sondern aus einer Verknüpfung von Sinneswahrnehmung und gespeichertem semantischen Wissen.


D) KONZENTRISCHE ASPEKTE:
Diese Art von Aspekten "verdichten" den Informationsgehalt, d.h. die spezifische Natur eines Elements. Ein Baum der nur aus einem Stamm besteht (weil der Sturm die Äste weggerissen hat) entspricht "weniger" einem Baum als einer, der noch Äste, Zweige und Blätter hat. Ein Auto ohne Räder ist zwar immer noch ein Auto, wird der spezifischen Natur eines Autos aber in geringerem Umfang gerecht, da ein prinzipielles Wesensmerkmal (die Fahreigenschaft) fehlt.


E) STRAHLENDE ASPEKTE
 Sie "strahlen" in irgendeine (abstrakte) Bezugsebene, in der sich die wahrgenommene Informationseinheit befindet. Das Informationselement "Baum" steht mit dem biologischen (Wald, Pflanze, Lebensform), aber auch mit dem wirtschaftlichen oder ökonomischen Bezugssystem (Brennholz, Möbel, Papierfabrik) im Zusammenhang.
 

Ein ELEMENT entspricht also einer "vollständigen", "geschlossenen" Informationseinheit, egal ob es ich um ein "natürliches Objekt" (etwa einen Baum), ein abstraktes Symbol, einen Buchstaben, ein Wort oder ein Bild handelt. Elemente entstehen spontan innerhalb der Wahrnehmung. Sie summieren sich aus mehreren ASPEKTEN die wiederum oftmals aus verschiedenen Sinnes- und/oder kognitiven Kanälen heraus gebündelt werden (ich sehe den Baum, habe aber auch sogleich eine Empfindung dazu oder das implizite Wissen um seine botanische Art). Aspekte hingegen sind überwiegend aus einer einzelnen Ursache heraus bedingt.

Fernerhin sind ASPEKTE im Augenblick des Erlebens "unsichtbar", weil das Hirn auf bewusster Erlebensebene nur mit "vollständigen" Informationseinheiten arbeitet. Wenn ich einen Baum wahrnehme, nehme ich nicht gleichzeitig seine Äste als vordergründigen Informationsinhalt wahr! Dies geschieht erst in nachfolgenden Sequenzen (wenn überhaupt). Umgekehrt: Wenn ich einen einzelnen Zweig des Baumes vordergründig wahrnehme, dann zählt eben der Baum zu dessen zugehörigen Aspekten (die Größenordnungen in der Wirklichkeit spielen ja hier keine Rolle). Mit Elementen und Aspekten verhält es sich wie mit Flugzeugen und deren Kondensstreifen: Ein tieffliegendes Flugzeug hinterlässt keinen Kondensstreifen. Dies geschieht erst ab einer gewissen Höhe. So kann ich auch die Aspekte eines aktuellen Informationselementes erst aus einer zeitlichen Distanz heraus mit konzentrierter Bewusstheit wahrnehmen, dann aber als Elemente, nicht als Aspekte.

 

 

URSACHEN FÜR DIE REPRÄSENTATION VON ELEMENTEN

Informationen resultieren sowohl aus Wahrnehmungsprozessen die sich auf die Außenwelt beziehen als auch aus inneren mentalen Vorgängen. Ein Informationselement kann u.U. auch ausschließlich durch eine Kontrast- oder Resonanzwirkung zustande kommen, die aus der räumlichen oder zeitlichen Nähe bzw. der Wechselwirkung zwischen anderweitigen Elementen entsteht. Optische Täuschungen bspw. resultieren allein aus der räumlichen Anordnung anderweitiger Inhalte zueinander. Ich kann auch Inhalte wahrnehmen, die sich aus übrig gebliebenen Fragmenten zeitlich vorausgegangener Inhalte summieren! Ein triviales Beispiel: Ich schaue kurz in die Sonne und schließe dann die Augen. Mit Sicherheit werde ich die Sonnenscheibe bzw. deren Kontur, infolge der "Resonanzwirkung" die sie auf meiner Netzhaut hinterlassen hat, mit geschlossenen Augen noch weiterhin eine Weile sehen!

 

EBENEN

Die nächstmögliche Größenordung über den Elementen bezeichne ich als Ebenen. Es gibt statische und dynamische Ebenen.

 STATISCHE EBENEN
 sind Bezugs- und Wertesysteme (also KATEGORIEN), innerhalb derer Informationen prinzipiell organisiert und positioniert sein können. Der Begriff Mensch etwa befindet sich u.a. in einer biologischen, ökonomischen und gesellschaftlich-sozialen Ebene. Ein Mensch hat einen biologischen Körper der sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zu anderen biologischen Lebensformen aufweist, er fungiert als Arbeitskraft in einem Wirtschaftssystem, hat eine gesellschaftliche und familiäre Rolle (etwa als Angehöriger einer politischen Partei, als Bürger einer Stadt, als Familienvater), etc.

Ebenen können sich wiederum innerhalb von Meta-Ebenen in verschiedenen relativen Positionen zueinander befinden. Viele Inhalte oder Objekte können selektiv in manchen Ebenen vereint sein (ein Mensch und ein Fisch sind biologische Lebewesen) während sie sich innerhalb anderer Ebenen nicht begegnen (ein Fisch ist ein Nahrungsmittel, ein Mensch im Allgemeinen nicht).

 

DYNAMISCHE EBENEN

Innerhalb des klassischen Informations-Begriffes entspricht eine dynamische Ebene der spontanen Generierung von Bedeutungs-Zuordnungen. Ein Beispiel: Jemand findet eine Spinne in seiner Wohnung. Er fängt sie mit einem Trinkglas und legt ein Telefonbuch auf das Glas, damit die Spinne nicht ausbüxen kann. Sowohl das Telefonbuch als auch das Trinkglas haben "normalerweise" innerhalb statischer Ebenen eine prinzipiell andere Bedeutung. Ein Roboter hätte anstelle des menschlichen Subjektes sein inneres Archiv auf Grundlage statischer Ebenen nach einem Objekt zur Insekten-Bekämpfung durchforstet und z.B. nach einem "Insektenspray" gesucht.

 

DYNAMISCHE PROZESSE

Unser gesamtes Erleben ist äußerst prozesshaft! Es ist geradezu unmöglich den Strom der Gedanken und des Wahrnehmens auch nur für eine Sekunde völlig anzuhalten!  Die Repräsentation eines Elementes ist die Folge von Wahrnehmungsfunktionen, die Entstehung eines Prozesses die Folge von Strukturmangel. Die Prozesshaftigkeit des Erlebens resultiert also aus den Bemühungen des Gehirns, unablässig die Komplexität des Erlebten zu reduzieren, in Kategorien einzuordnen und stabile Strukturen herzustellen (ggf. auch dadurch, indem es Dinge zunächst in erweiterte Zusammenhänge integriert und somit vorübergehend sogar eine höhere Komplexität erzeugt!). Da der Strom des Erlebens nicht abreißt (bis zum Tod) ist auch die Erfordernis der Strukturierung unablässig vorhanden. Die Frage ist nur, anhand welcher Prinzipien und auf welches "Ziel" hin werden Informationen strukturiert? Was bestimmt darüber, wann ein (Wahrnehmungs- oder kognitiver )Prozess abgeschlossen ist? Wann ist ein "Ergebnis" ein End- und nicht nur ein Zwischenergebnis? Warum passieren so viele Dinge parallel zueinander? Wann (also unter welchen Umständen) schließen sich Vorgänge und Prozesse gegenseitig aus, wann verstärken sie sich in ihrer Wirkung? Wann liefern sie separate Ergebnisse und wann arbeiten sie auf dasselbe Ziel hin? Warum kann ich gleichzeitig mit der Wahrnehmung oder kognitiven Auseinandersetzung von etwas Bestimmtem aufhören, während die Wahrnehmung von etwas anderem gerade erst beginnt (und gleichzeitig womöglich die Wahrnehmung eines dritten Inhaltes gleichbleibend stabil bleibt)? Auch hierauf kommen wir näher im letzten Kapitel der Menüseite "Der Sinn des Erlebens"  zu sprechen.